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Für eine präzisere Darstellung: Grundlagen Farbmanagement

Verschiedene Eingabe- und Ausgabegeräte, verschiedene Farbwiedergaben: Der Hauptgrund für die Anwendung des Farbmanagements. (Fotocredit: fotolia.com © Rawpixel.com)

Was das Auge in seiner Umwelt wahrnimmt, entspricht nicht immer dem, was die verwendeten Geräte abbilden. Das meint nicht die Motivauswahl, sondern vor allem die Farbwirkung – oder noch genauer ausgedrückt die „richtige“ Anzeige und Beurteilung der Farben. Spätestens beim Druck digitaler Fotografien können schon minimale Abweichungen zu unschönen Ergebnissen führen. Was im professionellen Bereich – sprich Profi-Fotografie und industrieller Druck – nicht tragbar ist, ist aber auch für ambitionierte Nicht-Profis mehr als nur ein Ärgernis. Die Anwendung des Farbmanagements verspricht Abhilfe, stellt aber wiederum ganz eigene Anforderungen an die Nutzer.

Das Problem: Unterschiedliche Geräte, unterschiedliche Farben

Die Umstellung auf das digitale Fotografieren hat es mit sich gebracht, dass deutlich mehr Geräte in den gesamten Prozess involviert sind. Kamerasysteme, Monitore, Drucker und Scanner in all ihren Ausführungen erzeugen aber unterschiedliche Farben. Das kann selbstverständlich kaum im Sinne der Fotografen sein, denn von der Aufnahme über die Darstellung am Bildschirm bis hin zum Ausdruck sollen diese nach Möglichkeit unverfälscht bleiben.

Was dazu vorab grundsätzlich klar sein sollte, ist die Art und Weise, wie die gängigen Farbräume, auf denen die Darstellungen der jeweiligen Geräte basieren, tatsächlich arbeiten. Im Prinzip beschreiben die Werte des RGB-Farbraums beispielsweise gar keine Farbe, sondern geben dem Gerät lediglich die Misch-Anteile der drei Grundfarben vor. Kaum anders verhält es sich beim Druck mit CMYK – nur, dass als zusätzliche Schwierigkeit die Möglichkeit hinzukommt, die gleiche Farbe entsprechend der Schwarz-Anteile entweder „bunt“ oder „unbunt“ aufbauen zu können.

Ein weiteres Problem ist der (theoretische) mathematische Zusammenhang zwischen diesen beiden Farbmodellen. In der Theorie lassen sich unter Angabe der prozentualen Anteile zwar Entsprechungen zwischen RGB- und CMYK-Farben erreichen. In der Praxis ist dies jedoch kaum möglich, nicht zuletzt weil das Farbverhalten von Druckern und/oder Druckmaschinen zu komplex ist. Darüber hinaus wirken sich auch weitere Faktoren wie die Konvertierung, der Bedruckstoff und Sonderfarben auf das Druckergebnis aus.

Die Konvertierung zwischen unterschiedlichen Farbräumen kann (nicht nur) beim Offsetdruck zu Farbabweichungen führen. (Fotocredit: fotolia.com © industrieblick)

Um mit genau solchen Schwierigkeiten besser umgehen zu können, bemüht sich das International Color Consortium ICC um offene, anbieterneutrale und plattformübergreifende Farbmanagementsysteme. Im Kern geht es dabei um die Art und Weise, wie (digitale) Aufnahme- und Ausgabegeräte Farbe sehen. Damit die Abweichungen zwischen unterschiedlichen und geräteabhängigen Farbräumen nicht zu unerwünschten Ergebnissen bei der Wiedergabe führen, stellt das ICC zwei Hilfsmittel bereit:

  • Das ICC-Profil, oder besser: die ICC-Profile, definiert exakt die im Bild verwendeten Farben, ohne jedoch das Bild selbst zu beschreiben – dessen Aussehen wird erst durch das Zusammenwirken von Farbprofil und Bilddatei endgültig bestimmt.
  • Das Color Connection Module (CMM) wiederum dient der Konvertierung eines Bildes von einem Farbraum in einen anderen, auf Grundlage eines geräteunabhängigen – also weder auf das Eingabe- noch auf das Ausgabegerät bezogenen – Farbraums. Der von der ICC eingeführte CIELab-Farbraum ist in seinem Farbumfang der menschlichen Wahrnehmung nachempfunden, weshalb er deutlich grösser ist als die üblicherweise verwendeten.

Die Suche nach Kontrolle

Das Kalibrieren aller beteiligten Geräte gehört grundlegend zum Farbmanagement dazu. (Fotocredit: fotolia.com © Tomasz Zaijda)

Die möglichen Diskrepanzen zwischen Bildschirmwiedergabe und Ausdruck sind hinsichtlich der Darstellungsunterschiede aber nur der letzte (wenn auch vielleicht auffälligste) Schritt in der gesamten Arbeitskette. Soll an jeder einzelnen Stelle im Prozess zwischen Aufnahme und Druck die bestmögliche Umwandlung der Farben erreicht werden, ist der Rückgriff auf das Farbmanagement unerlässlich.

Das verspricht jederzeit die volle Kontrolle über die Umwandlung und Anzeige der Farben, so dass Verluste oder Verfälschungen verhindert werden können. Die Materie ist jedoch sehr komplex, was unter anderem an den mathematischen Grundlagen des Farbmanagements liegt. Das sollte aber nicht abschrecken, gerade wenn der Wunsch nach bestmöglichen Ergebnissen besteht.

Digitalkameras „verpassen“ den mit ihnen aufgenommenen Bildern oft schon ohne Farbmanagement einen speziellen „Look“. (Fotocredit: fotolia.com © baranq)

Allerdings sollte ebenfalls beachtet werden, dass ein solcher Eingriff in die Bilddaten nicht immer zwingend notwendig ist. Möglich wird das durch den sRGB-Farbraum, der für viele Ein- und Ausgabegeräte den Standard darstellt. Das bedeutet andererseits jedoch, sich den Einschränkungen dieses Farbraums zu unterwerfen, was für viele Anwendungsbereiche (etwa die Anzeige auf einer Internetseite) vertretbar ist, für hochwertige Drucke empfehlen sich aber größere Farbräume. Damit lässt sich die bessere Bildwirkung erzielen.

Teilbereiche des Farbmanagements

Grundsätzlich geht es beim Farbmanagement aber immer darum, die gewünschte Wirkung auf das menschliche Auge zu erhalten, egal von welchem Farbmodell oder Gerätefarbraum die Farben übertragen werden. Die hierbei zu berücksichtigenden Teilbereiche sind:

  • Die Gerätecharakterisierung
    Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Erfassung der optischen Eigenschaften aller Geräte, die bei der Farberstellung oder der Verarbeitung genutzt werden. Der Hintergrund ist, von jedem Gerät sagen zu können, welche Farben jeweils damit dargestellt werden können. Ein Beispiel: Die Farbwahrnehmung verschiedener – aber wegen technischer Toleranzen auch baugleicher – Kamerasensoren kann durchaus unterschiedlich sein. Erschwerend kommt hinzu, dass die von den Herstellern mitgelieferten Kamera-Profile (für gewöhnlich sRGB oder Adobe RGB) keine neutrale Umwandlung der Farben zulassen, sondern schon einen auf den Nutzer abgestimmten „Farblook“ beinhalten. Die Kameraprofilierungen können jedoch bei Bedarf ebenfalls angepasst werden. Auswirkungen hat daneben auch das Dateiformat, in dem die Bilder angelegt werden. Während gerade mit dem JPG-Format bestimmte Farben verloren gehen, sieht das im RAW-Format ganz anders aus, da es eine Speicherung im „Rohzustand“ erlaubt. Das heißt, der Sensor nimmt wirklich alle Farben auf, aber ohne Umwandlung und ohne Profil und damit ohne Information darüber, wie die Farben interpretiert werden sollen.
  • Die Gerätekalibrierung
    Hierbei geht es um die Erhaltung der physikalischen Eigenschaften der beteiligten Geräte, damit eine vorgegebene (geräteunabhängige) Farbe vom jeweiligen Gerät durchgehend unverändert wiedergegeben wird.
  • Die Farbumrechnung
    Kommen verschiedene Farbräume zum Einsatz, muss mit dem Farbmanagement ein Transfer zwischen den unterschiedlichen Gerätefarbräumen gewährleistet werden, der bei jedem der eingesetzten Geräte eine identische Wiedergabe der Farben ermöglicht.
  • Die Farbraumanpassung
    Nicht jedes Gerät kann grundsätzlich alle Farben wiedergeben. Also muss beim Farbmanagement der Versuch unternommen werden, eine möglichst genaue Annährung an die ursprünglichen Farben zu erreichen. Bezeichnet wird die dazu notwendige Anpassung des Farbraums mit Gamut Mapping.

Für die Konvertierung von Farbräumen gibt es vier verschiedene, genormte Konvertierungsmethoden (Rendering Intents), von denen insbesondere zwei für die fotografische Arbeit von Belang sind:

  • Die relativ farbmetrische Konvertierung ist in der Fotografie der Standard, Anwendung findet sie in Bildbearbeitungsprogrammen für die Monitordarstellung, ebenso wie in Fotolaboren. Die Anpassung erfolgt zunächst durch das Verschieben des Weißpunkts des Eingangsfarbraums auf den des Zielfarbraums, anschließend werden alle im Zielfarbraum vorkommenden Farben 1:1 übernommen. Der Nachteil besteht bei Farben aus dem Eingangsfarbraum, die außerhalb des Zielfarbraums liegen. Denn sie werden auf den nächst erreichbaren Außenpunkt dieses Zielfarbraums geschoben. Das kann jedoch gerade im Bereich der Farbsättigung zu Verlusten führen, indem ursprüngliche farbliche Feinheiten vereinheitlicht und somit „flächig“ werden. Die Farbsättigung des Farbraums sollte im Übrigen nicht verwechselt werden mit der generellen Farbsättigung des Bildes. Die ist nämlich nicht allein vom verwendeten Farbraum abhängig, sondern unter anderem auch von den Lichtbedingungen zur Zeit der Aufnahme – und vom persönlichen Geschmack des Bildbearbeiters.
  • Die perzeptive Konvertierung funktioniert grundsätzlich ähnlich, versucht aber das Problem der vereinheitlichten Farbnuancen zu umgehen: Der Eingangsfarbraum wird in den äußeren Bereichen komprimiert und die Farbsättigung der Farben, die nicht mehr im Zielfarbraum liegen, soweit reduziert, dass sie zumindest nicht zu einer einzigen Farbe vereinheitlicht werden müssen. Damit bleibt die Zeichnung erhalten, allerdings zu Lasten der Farbsättigung.

Das Farbmanagement bietet Fotografen also zahlreiche Ansatzpunkte, um das Endergebnis schon mit der Entstehung der Aufnahme selbst bestimmen zu können. Allerdings nur im Sinne einer zuverlässigen und überprüfbaren Wiedergabe der Farben. Genauso bieten Bildbearbeitungsprogramme, die nun einmal die offensichtlichste Form des Farbmanagements ist – was wiederum keine Nachbearbeitung von Farbstichen oder dergleichen meint – recht viele Möglichkeiten, das Resultat in negativer Weise zu beeinflussen.

Die Frage, wie viel Farbmanagement letztendlich notwendig ist, muss jeder Fotograf für sich klären. Ein einfaches Farbmanagement lässt sich beispielsweise mit relativ wenig Aufwand einrichten, unter bestimmten Voraussetzungen ist es nicht einmal nötig. Je nach Ambitionen besteht aber immer die Möglichkeit, noch tiefer in die Materie einzutauchen.

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